13. Dezember 2017

Was wir geben können

www.kirchentag-erzgebirge.de

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Regionaler Kirchentag Erzgebirge
„Forum… nicht nur für christliche Unternehmer und Führungskräfte“
9. Mai 2009, 13.00 Uhr
Technologieorientiertes Gründer- und Dienstleistungszentrum Annaberg (GDZ)

Geistlicher Impuls von Thomas Schneider

Wir sind…
Im vorigen Jahr habe ich einen Flyer in meine Hände bekommen mit dem Werbeslogan „Wir spannen den Bogen für ein starkes Erzgebirge“. Wenige Zeit später bekomme ich ein kleines Heft in die Hand mit dem Spruch „Was wir geben können“. In beiden Aussagen steht das „Wir“-Wort. Immer wieder sehen, hören oder lesen wir es in den Medien, dieses „Wir-Wort“. „Wir sind das Volk“; „Wir sind Papst“; „Wir sind Weltmeister“; „Wir sind die Champions“. Auch die Polizei hat da etwas zu bieten: „Wir sind die Guten – auch wenn Sie`s nicht vermuten.“ —

Und so habe ich mir ernsthaft die Frage gestellt, ob es immer und überall um das „wir“ gehen muss. Und dann auch noch zu einem Kirchentag: „Was wir geben können“. Als ich aber dann im Programmheft den „Glück auf“–Gruß der Kirchentagsverantwortlichen lesen konnte, dass es in erster Linie darum geht, erst einmal wahrzunehmen, was wir empfangen haben, dass es um den Segen Gottes an Menschen geht, und dass erst dann der Gedanke geführt werden kann, was wir geben können, war die Unklarheit beiseite geräumt.

Leistung ist alles?
Unsere Gesellschaft ist doch grundsätzlich so ausgerichtet, alles nach Leistung zu bewerten. „Wenn du nichts drauf hast, gehst du drauf!“ sagte kürzlich ein behinderter Mann zu mir. Einer der Firmenchefs sagte im Bewerbungsgespräch, den Behindertenausweis in den Händen haltend: „Wir haben keine Zeit, uns ständig nach dir umzuschauen.“ Der Behinderte bekam eine Abfuhr erteilt, ohne auf seine Begabungen näher einzugehen. Denn die hat er geschenkt bekommen. Er hat ein fotografisches Gedächtnis. – Es gibt keinen einzigen Menschen auf dieser Welt, der nicht irgendetwas Wertvolles von seinem Schöpfer empfangen hätte.

Die Suche nach dem Sinn des Lebens
Eine Studentin fragte mich zum Tag der Sachsen: „Kann ich diese Bibel hier wirklich kostenlos mitnehmen? Ich muss nichts dafür zahlen? Ihr war unklar, dass es so etwas noch gibt. Und dann standen Tränen in ihren Augen. Sie konnte in ihrem Leben keinen Sinn mehr finden. Beide Eltern tödlich verunglückt. Der Bruder alkohol- und drogenabhängig. Ihr Freund hatte sie im Stich gelassen. Im Gespräch konnte ich feststellen, dass sie trotz allem Leid sehr reich war, nämlich reich an einer überdurchschnittlich hohen Intelligenz. Sie war eine der besten Jura-Studentinnen an der Universität. Trotzdem meinte sie: Was soll ich schon geben können? Und so war sie auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens. Viele Menschen fragen in einer oft verfahrenen Lebenssituation, in Trauer, Einsamkeit oder Angst: Was kann „ich“ schon geben? Als ich ihr erzählte, dass in der Bibel die Lösungen zu den grundsätzlichen Lebensfragen stehen und dass ihr Gottes Wort viel geben kann, glänzten ihre blauen Augen. „Ich werde das lesen“ sagte sie zum Abschied und ging weiter.

Eine uralte Geschichte ganz aktuell
Vor etwa zweitausend Jahren hat sich folgendes zugetragen, nachzulesen in der Apostelgeschichte im 3.Kapitel. Zwei Männer sind unterwegs zum Tempel, ein Treffpunkt, wo sich alle treffen, die an Gott glauben und sich zum Gebet versammeln.
(Und bis heute ist es eine Erfahrung vieler Generationen von Christen: Wer nicht regelmäßig betet, betet bald überhaupt nicht mehr. Wer nicht regelmäßig auf Gottes Wort hört, tut es bald überhaupt nicht mehr!)

Als die beiden Männer angekommen sind, da bringen andere einen Mann, der von Kind an nicht laufen konnte und setzen ihn vor den Eingang. Ein soziales Netz gibt es nicht, also muss er für sich selber sorgen und betteln. Die Leute kennen ihn inzwischen. „Er kommt immer wieder. Der sitzt doch immer da.“ Menschliches Elend kann man eigentlich gar nicht übersehen. Die meisten aber gehen vorüber und kümmern sich nicht um ihn oder legen einige Geldstücke in seine Hand. – Sicher braucht der Mann Geld, heute würde man sagen einen Pflegeplatz. Aber er braucht viel mehr!

Auch den beiden Männern, sie heißen Petrus und Johannes, streckt er seine Hand hin, um Geld zu empfangen. Da sagt Petrus zu dem Kranken: „Schau uns an!“ Petrus sagt nicht „Wir können dir helfen und wir schließen für dich eine Pflegeversicherung ab“. Sicher: Geld ist wichtig. Aber Geld heilt keine Krankheit! Für Petrus und Johannes ist klar: Heilen kann nur einer, Jesus. Und so wollen sie mit ihren Worten „Schau uns an!“ die ganze Aufmerksamkeit des Kranken haben. Denn eine Heilung im Namen Jesu erfolgt nicht einfach so nebenbei und im Vorübergehen.

So ist es ja auch mit dem Glauben selbst: Der Glauben an Jesus Christus kann einem Menschen nicht einfach übergestülpt werden. Ein Mensch muss glauben wollen, und zwar in dem Augenblick, wenn ihn Gott anspricht. Als der kranke Bettler Geld haben will, spricht Petrus: „Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth, stehe auf und wandle!“ Die Heilung des Kranken vollzieht Petrus im Namen des Jesus Christus von Nazareth. Hinter den Worten des Petrus steht die geballte Vollmacht des Gottessohnes. Jesus Christus selbst ist es, der heilend am Werk ist.

Nicht Silber und Gold…
„Was“ Christen geben können, das ist das in Vollmacht gesprochene Wort Gottes, die Botschaft von Jesus Christus. Denn nur sie allein schafft wirklich neues Leben. Das darf auch dieser lahme Bettler erfahren. Im Bibeltext steht: „und er sprang auf, konnte stehen und gehen und ging mit ihnen in den Tempel und sprang und lobte Gott. Und es sah ihn alles Volk wandeln und Gott loben.“

Jetzt muss sich der Geheilte einen Job suchen. Vielleicht ist er längere Zeit arbeitslos. Vielleicht ist er irgendwann auch wieder krank geworden. Vielleicht hat er jetzt andere Sorgen und Nöte. Aber er hat erkannt, dass es nicht Silber und Gold sind, die das Leben heil machen, sondern das Vertrauen auf den, der geheilt hat.

Glauben wir noch, dass das Wort von Jesus Christus heilen kann?
Wie oft machen wir einen Krankenbesuch und überlegen, was wir dem Kranken mitnehmen können. Meistens ist es ein Büchlein. Warum gehen wir nicht einfach hin und sagen: Heute habe ich dir nichts mitgebracht. Aber ich lese Dir aus der Bibel vor und dann beten wir. Das Wort Gottes in Vollmacht gesprochen wirkt viel mehr als alle bunten Blumensträuße und Bücher dieser Welt. Gehen wir zum Krankenbesuch im Namen Jesu. Jesus sucht den, der zusammenbricht unter der Last seines Lebens. Gottes Wort ist das Wertvollste, was wir einem Menschen bringen können.

Glauben wir überhaupt in der Kirche noch, dass das Wort von Jesus Christus Kranke heilen kann? Jesus hat Macht über Himmel und Erde. Er hat die Welt geschaffen. Er hat bis heute Macht über alle Krankheit und über alle Krisen. Gott tut Wunder! Und so könnten hier jetzt sicher einige davon erzählen, welche Wunder sie mit Gott erlebt haben. Vielleicht hören wir in den anschließenden Themengruppen davon.

Die Bibel – das Wertebuch?
Besonders in diesen Tagen schreit die Welt wieder nach Werten, weil wir in der totalen Krise stecken. Muss der Mensch erst die Krise kriegen, damit er erkennt, was wertvoll ist? Der heutige Nachmittag ist überschrieben mit „Werte schaffen Werte“. Was sind „Werte“ und wo kommen diese „Werte“ her?

Menschen die an den Gott glauben, dessen Sohn Jesus in einem dreckigen Viehstall und in einer schmutzigen Futterkrippe zur Welt gekommen ist; Menschen die an den glauben, der keine irdischen Machtansprüche hegte sondern den Menschen diente; Menschen die an den glauben, der sich für ihre Schuld und die Schuld der ganzen Welt hat blutig schlagen und kreuzigen lassen; Menschen die an den glauben, der von den Toten auferstanden ist und lebt, damit jeder Mensch die Chance bekommt, einmal Gott sehen zu können; diese Menschen haben das Wertvollste im Leben.

Die Bibel ist das Wertebuch Nummer Eins! In diesem Buch steht die Anleitung für unser Leben, gleich in welcher Lebenssituation wir uns befinden: Krank oder gesund, finanziell arm oder reich, arbeitslos oder bis oben hin zugeschüttet mit Arbeit. Für Gott gelten ganz andere Werte.

Die Zuwendung, die wir einem Menschen entgegenbringen, ihm in die Augen zu sehen, ihm zuzuhören, und ihm von der Botschaft der Bibel zu erzählen, ist tausendmal schwerer als Hilfe per Scheckbuch oder Spende. Werte schaffen Werte. Wertvolles schafft Wertvolles.

Für Gott ist es nicht schwer, durch viel oder wenig zu helfen, wenn wir ihn ehrlichen Herzens darum bitten. Immer wieder sind wir schnell dabei, dass wir von unseren Nöten erzählen. Aber reden wir auch darüber, wie uns Gott durch so manches finstere Tal hindurchgeholfen hat?

Kürzlich traf ich einen guten Freund wieder. Er ist seit einem schweren Motorradunfall querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Zum Abschluss unseres Gespräches sagte er freudestrahlend: „Weißt du, was das Wertvollste für mich im Leben ist? Dass ich Gott nicht anklage, sondern ihn auch in meiner Krankheit loben und anderen die frohmachende Botschaft von Jesus Christus weitergeben darf.“