20. September 2017

Kommentar: Es gilt ein frei Geständnis …

Quelle: idea.de

Hartmut Steeb Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz

Hartmut Steeb Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz

(idea) Am Mittwoch startet der 6. Internationale Kongress für Psychotherapie und Seelsorge in Marburg. Eigentlich nichts Besonderes! Wer muss sich schon dafür interessieren, wenn etwa 1.000 Mediziner, Theologen, Sozialwissenschaftler und Seelsorger einen Fachkongress zum Thema „Identität – der rote Faden in meinem Leben“ durchführen?

Wir Gemeindeglieder erwarten von den Kongressteilnehmern, dass sich diese Fachleute gut weiter bilden, damit Sie uns helfen können im offenbar immer komplizierter werdenden Leben zu recht zu kommen – durch die Verkündigung, in der Beratung, Behandlung, Seelsorge und bei der Therapie.

Gibt es ergebnis-offene Beratung?
Doch leider ist es nicht mehr ganz selbstverständlich, dass bei einem solchen Fachkongress offen alle zur Diskussion anstehende Fragen besprochen werden dürfen. Seit knapp zwei Monaten kämpft ein Aktionsbündnis „Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus“ mit der Internetanschrift noplace.blogsport.de zum Aufstand und Aufmarsch gegen den Kongress. Die Kongressleitung sollte Referenten der evangelikalen Organisationen „Wüstenstrom“ und „Offensive Junger Christen“ (OJC) ausladen. Die Universität und die Stadt Marburg sollten ihre Räumlichkeiten nicht zur Verfügung stellen. Im Stadtparlament tobt eine kräftige Auseinandersetzung. idea hat vielfach darüber berichtet. Aber wo liegt eigentlich der Kernpunkt des Protestes? Da gibt es doch wirklich Referenten, die dadurch bekannt sind, dass sie dem scheinbaren gesellschaftlichen Konsens nicht so unkritisch folgen, wonach Homosexualität angeboren, darum nicht veränderbar und darum auch ungehemmt ausgelebt werden sollte. Diese Pro-Homosexualtäts-Lobby bestreitet, dass es Menschen gibt, die unter ihrer Homosexualität leiden. Aber falls doch, dann soll es nur daran liegen, dass sie von ihrer Umwelt nicht richtig angenommen werden. Darum gäbe es nur eine Antwort: Das Bekenntnis zur homosexuellen Lebensweise, Akzeptanz durch die Umwelt, absolute Gleichstellung in allen Bereichen mit der Ehe. (Dass nach einem einfachen juristischen Grundsatz nur gleiches gleich und ungleiches eben nicht gleich behandelt werden kann, gerät leicht in Vergessenheit!) Und in ihrer Perspektive gibt es keine ergebnis-offene Beratung, die ja dann vielleicht auch so ausgehen könnte, dass Alternativen aufgezeigt und gegangen werden. Dass es bereits Menschen gibt, die aus homosexueller Lebensweise heraus Veränderung erfahren haben, heute gerne und überzeugt heterosexuell sind und eine gute Ehe leben – nein, es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Marburg ist überall
„Unser Protest richtet sich auch nicht nur gegen ein, zwei oder drei Workshops oder Referenten auf dem Kongress, sondern vielmehr gegen die homophobe und religiös-fundamentalistische Ausrichtung der evangelikalen Bewegung … Evangelikale sind eine rückwärtsgerichtete Strömung innerhalb des Protestantismus, die sich durch fundamentalistische Bibelauslegung, Absolutheits- und Missionierungsanspruch auszeichnet und die nach gesellschaftlichem Einfluss streben…“ So steht es im Aufruf zur Demonstration, zu der für Donnerstag eingeladen ist. Damit ist klar: Wir stehen insgesamt in einer neuen Herausforderung. Diese Woche in Marburg. Aber gewiss bald auch an anderen Orten. Wie begegnen wir ihr?
1. Wir beten, weil es nichts wichtigeres zu tun gibt (1. Timotheus 2,1-4).
2. Wir reden vom Evangelium von Jesus Christus, auch wenn es anstößt (Apostelgeschichte 4,12.20).
3. Wir stehen ein für Gottes Wort, auch wenn es dem behaupteten oder tatsächlichen gesellschaftlichen Konsens widerstreben wird (2. Timotheus 4,2).
4. Wir nehmen darum unsere Rechte zur freien Meinungsfreiheit offensiv und fröhlich war. Denn wer sie erhalten will, muss sie gebrauchen.

(Der Autor, Hartmut Steeb (Stuttgart), ist Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz.)