23. Oktober 2017

Braucht die Bibel Interpretationsspielraum?

Die Heilige Schrift - Foto:privat

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In einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber (Berlin) im Vorfeld der EKD-Synode, die vom 30. April bis 3. Mai in Würzburg stattfindet, dass der Vorwurf, fundamentalistisch zu sein, für „ganz bestimmte Phänomene innerhalb der evangelikalen Bewegung“ zutreffen mag, er diesen aber „für die gesamte evangelikale Bewegung […] jedoch nicht für richtig“ halte. Zu den Aussagen „The Fundamentals“ (im nachstehenden Kommentar benannt!), sagte Huber: „Ohne jeden Interpretationsspielraum diese fünf Aussagen wortwörtlich bejahen zu müssen – das ist für mich Fundamentalismus“.
 

Kommentar von Thomas Schneider:
Dr. Friedhelm Jung, Dozent am Bibelseminar Bonn, schreibt in einem Aufsatz zum „christlichen Fundamentalismus“:

„Obgleich der Begriff „christlicher Fundamentalismus“ durch einen abwertenden Gebrauch in säkularen wie auch vielen christlichen Medien weithin negativ besetzt ist und zeitweise als Keule gegen bibeltreue Christen eingesetzt wird, beschreibt er zutreffend das Glaubensverständnis von Millionen Christen weltweit. Christliche „Fundamentalisten“ finden sich in nahezu allen Konfessionen. Es sind Menschen, deren Glaube auf dem Fundament der Bibel – und hier besonders des Neuen Testamentes gründet. Sie akzeptieren die Heilige Schrift als das wahre und absolut verläßliche Wort Gottes und lehnen Bibelkritik ab. Ob der Reformator Johannes Calvin, der China-Missionar Hudson Taylor oder der Baptistenpastor Charles H. Spurgeon – sie alle waren „Fundamentalisten“. […] Wer absolute Überzeugungen hat – ob politischer, philosophischer oder religiöser Natur – stellt so lange keine Gefahr für eine Gesellschaft dar, wie er andere Meinungen toleriert. Nur wer seine Ansichten anderen aufzwingt, wird zur Gefahr. Der christliche „Fundamentalismus“ ist – objektiv gesehen – für eine Gesellschaft nützlich. Denn er vertritt ethische Positionen, auf denen auch unser Gemeinwesen aufgebaut ist, die aber mit dem zurückgehenden Einfluß des christlichen Glaubens mehr und mehr verschwinden: Achtung und Respekt gegenüber dem anderen; Schutz des Schwachen und Bedürftigen; Liebe für Freund und Feind.“

Jedem Menschen ist die Freiheit geschenkt, sich für oder gegen Gott zu entscheiden. So ist jedem Menschen auch die Freiheit gegeben, („The Fundamentals“), die Inspiration und Irrtumslosigkeit der Bibel, die Gottheit von Jesus Christus, seine Jungfrauengeburt und seine Wunder, sein stellvertretendes Sühneopfer am Kreuz, seine leibliche Auferstehung und seine persönliche Wiederkehr zu bejahen oder einen Interpretationsbedarf anzumelden. Will sagen: „Was geschehen ist, eben das wird hernach sein. Was man getan hat, eben das tut man hernach wieder, und es geschieht nichts Neues unter der Sonne“ (Pred 1,9). Bis Jesus wiederkommt!